Decke

Ich finde die Zeit. Herrschend fallen sie auf mich ein. Überrumpeln und durchdringen mich. Körper und Geist unkontrolliert? Durchtrieben folge ich Klängen, die mich erzittern und zugleich erstarren lassen. Befangen zuerst beantworte ich nur zierlich ihr Fragen und Bitten. Ich verharre. Nur kurz. Denn dann gebe ich mich machtlos hin. Treibend umschweife ich mein Inneres, suche nach Etwas. Eine Zukunft, die nicht absehbar ist. Doch ein Gefühl der Stärke, das sich unablässig in die Tiefe meiner Ängste hämmert. Es durchstöbert mich. Sucht nach Sinn und Zweifel. Entdeckt etwas? Entschlossen, doch gefangen und sehnsüchtig suchend schreite ich durch einen Raum. Stäbe aus Metall. Wände aus Beton. Boden aus Stahl und Decke aus? Ausbruch steht geschrieben. In mir erkenne ich. Und schreie. Laut. Weg. Raus. Jetzt. Ich. Ich fühle mich nicht verloren, nicht beengt. Doch verlassen möchte ich diese Schranken. Zerbarsten Wände. Vergessen meine Realität. Ich setze einen Schritt. Vor den anderen. Unaufhaltsam werde ich getrieben. Mauer. Wand. In mir quellt empor. Zu viel in mir. Zerreißen möcht ich mich. Verlieren möcht ich mich. Sterben und geboren werden. Töten und getötet werden. Alles erleben. Doch ich muss raus. Hier. Jetzt. Kann nicht. Kannst Du etwa? Ich schlage auf mich ein. Spüren möcht ich mein Blut. Wenn es fließt. Blut überall. Farben für den Raum. An Wänden, an Gittern, am Boden eine brodelnde Lache. Sie ist von mir. Mein. Gehört mir. Von mir geschaffen. Mein allein. Nicht Dein. Immer mehr. Steigen tut es schnell. So viel. So schnell. Kalt ist mir. Ertrinke jetzt wohl langsam und blicke nach oben. Lächeln. Da steht es. Ein Geschmack nach Eisen. Es fließt so hoch? Und ich immer noch lebendig? Durchtränktes Haar aus rot. Auch mein. Quillt über mich. Alles quillt. Poren öffnen sich. Reißen auseinander. Ich muss nichts tun. Alles von allein. Zum Ersticken nah die zähe Flüssigkeit. Trinke ein bisschen. Sauge es wieder in mich ein. Abscheulicher Geschmack. Spucke aus. Fast kalt. Ich recke meinen Hals ein letztes Mal. Atemzug. Bitte! Erstarre erneut. Jetzt zum letzten Mal. Meine Mundwinkel, beträufelt von tötlichem Elixier. Widerspruch? Elixier und Tot! Oben. Decke. Da steht: Aufbruch. Ich vergaß. Der Grund für das alles. Gehen. Lasst mich. Ich genieße diesen Moment. Schmerz. Hass. Erleichterung. Endlich Kontrolle. Verändern kann und beeinlussen mag ich es nicht. Ich hatte es versucht. Ein einziges Mal. Nicht Flucht. Einfach nur Ausbruch: fast erlebt. Stolz. Es steht doch da geschrieben. Genau über uns. Verklärt ist die Sicht. Deine auch! Sicherlich. Das Gitter zu eindeutig, die Mauern zu fest, der Boden zu kalt. Die Decke: Aufbruch. Wir werden sie nie erreichen.


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